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Social Media Networking über Facebook, Twitter, Youtube und Co. bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Zielgruppe besser einschätzen zu können. Inzwischen binden Unternehmen ihre Facebook-Fans sogar gezielt bei der Gestaltung ihrer Fanpages ein. Das nennt sich Crowdsourcing. So lernen sie deren Interessen und Vorlieben kennen und können sie am Ende vielleicht sogar als Mitarbeiter gewinnen.
von Peter Ilg
Die Umstellung von Facebook auf ein neues Design mit Chronik und großem Profilbild nutzte der Automobilkonzern BMW, um auf der unternehmenseigenen Facebook-Karriereseite das Titelbild von den Fans zusammenstellen zu lassen. "Unser Raum. Deine Ideen sind gefragt!" – so das Motto.
Social Media Networking: Auf Du und Du mit den Fans
An zwei Tagen bot BMW den Teilnehmern an, selbst Bilder vorzuschlagen, die sie gerne auf der Facebook-Fanpage des Konzerns sehen würden. Darunter eine Hängematte und eine männliche Sekretärin. Heraus kommen sollte der Traumarbeitsplatz der User. "Darüber wurde abgestimmt – und die meisten entschieden sich für den bärtigen Mann im blauen Kostüm mit Krawatte", sagt Matthias Melcher. Er ist verantwortlich für die Social-Media-Aktivitäten im Bereich Human Resources bei der BMW Group in München.
Die Facebook-Karriere-Seite betreibt BMW seit Juli 2010 und mit über 73.000 Usern hat sie einen gehörigen Vorsprung gegenüber allen anderen Karriere-Seiten der anderen großen Automobilhersteller. "Die BMW-Seite ist für viele andere ein Vorbild", sagt Henner Knabenreich, freiberuflicher Social-Media-Berater für Personalmarketing aus Wiesbaden. Seine Begründung: "Die Qualität der Beiträge, Bilder, Videos passt, es findet ein lebhafter Dialog auf Augenhöhe mit der Zielgruppe statt, auf Fan-Anfragen wird schnell reagiert, die Zielgruppe ist klar adressiert, Jobs werden eingebunden und können mit Freunden geteilt werden."
Personalmarketing via Facebook
Viel Lob vom Berater, doch den Erfolg der Aktion mit dem Bild stellt Knabenreich infrage: "Auch wenn es BMW in der Zeit gelungen ist, deutlich mehr Fans zu gewinnen, war doch mein Eindruck, dass die Resonanz im Verhältnis zur Masse der Nutzer eher verhalten war." Die Idee, Fans mit in Abstimmungsprozesse einzubeziehen, hält er dennoch für sinnvoll.
Crowdsourcing lässt grüßen. Beim Crowdsourcing werden Aufgaben auf einer Plattform ins Internet gestellt. Ritter Sport etwa macht das vor. Auf seinem Blog holt der Schokoladenhersteller die User bei Marketing-Entscheidungen mit ins Boot. Mal geht es bei einem Voting um das Design eines Plakats, ein anderes Mal um einen Werbespot.
Crowdsourcing: Fans in Entscheidungen einbeziehen
Bei BMW wird die hauseigene Aktion hingegen deutlich positiver eingeschätzt. "Wir wollten Aufmerksamkeit auf unsere Seite ziehen", sagt Melcher. Ob die rund 3000 neuen User, die während der einwöchigen Aktion gewonnen wurden, gerade deshalb Fans von BMW wurden, lässt sich nicht eindeutig klären. "Tatsache aber ist: wir haben mehr Fans und damit aus Sicht des Personalmarketing eine größere Zielgruppe, die wir ansprechen können."
Das sind vor allem die klassischen Digital Natives: Schüler, Studenten, Absolventen. Durch die Fan-Page will BMW potentiellen Mitarbeitern einen Einblick ins Unternehmen geben – und sich ihnen als attraktiver Arbeitgeber präsentieren.
BMW präsentiert sich als attraktiver Arbeitgeber
"Mit der Aktion ist der Grundstein für den Dialog gelegt", bestätigt Jan Kirchner, Mitbegründer und kaufmännischer Geschäftsführer von atenta, einer Social-Media-Agentur in Hamburg, die Idee.
Auch die Telekom gehört zu den Unternehmen, die auf den Geschmack solcher Mitmach-Aktionen gekommen ist. So hatte das Unternehmen seine Fans dazu aufgerufen, Vorschläge zu machen, wie der bestehende Web 2.0-Auftritt optimiert werden könnte.
Telekom: Lockere Kommunikation
82 Ideen wurden eingereicht und die beste ist seit einigen Wochen aktiv: Eine App. Bei einem spielerischen Kompatibilitätscheck können potentielle Bewerber feststellen, inwieweit sich die eigenen Interessen und Vorstellungen mit den Eigenschaften der Deutschen Telekom als Arbeitgeber decken.
Die Facebook-Karriere-Seite betreibt die Telekom seit 2009, inzwischen hat sie 5400 Fans. "Wir pflegen eine lockere Kommunikation, die nicht zwingend etwas mit dem Thema Karriere zu tun haben muss. Zielgruppengerecht eben und mit der Hoffnung auf Interaktion. Denn die ist entscheidend in Social Media", sagt Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Recruiting & Talent Service bei der Telekom in Bonn. Mitmach-Aktionen fördern Interaktion, deshalb ist von weiteren, auch in vielen anderen Unternehmen auszugehen.
(Bild: Screenshot der BMW Karriere-Fanpage auf Facebook)
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